Inga Rienau

Dreißig Jahre…

… wird es hoffentlich nicht dauern, bis ich meinen Roman geschrieben habe, aber immerhin geht es diesen Monat los!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr sinnvoll sein kann, im Vorfeld ein Treatment zu verfassen, gerade bei einem komplexen Projekt. Bislang habe ich dies nur für den Drehbuchbereich gemacht, aber jetzt habe ich eine solide Grundlage von über 70 Seiten, die auch schon die emotionale Grundfärbung des späteren Manuskripts transportiert. Ein paar Dialoge habe ich ebenfalls schon eingebaut.
Das war richtig viel Arbeit, aber im Verhältnis nicht mehr, als dieses verflixte Exposé! Eine Handlung von vielleicht 500 Seiten mit mehreren Zeitebenen auf wenige Seiten einzudampfen, ohne in verschachteltes Behördendeutsch zu verfallen, ist eine echte Herausforderung. Hilfreich hierbei war der distanzierte Blick mehrerer Testleserinnen und -leser, die tolle Ideen und Anmerkungen eingebracht haben. Danke, Judith, Christa und Manfred!
Auch das Exposé war ja eigentlich noch nicht nötig, das ist eine Frage der eigenen strukturellen Herangehensweise. Es beruhigt, die Essenz der Erzählung in Griffweite zu wissen, denn unweigerlich werde ich mich im Geflecht meiner Figuren verzetteln! Stichwort „Roter Faden“…
Zur Handlung selbst möchte ich keine Einzelheiten nach außen tragen zu einem Zeitpunkt, wo das Innenleben noch recht ungeordnet ist. Schriftstellerischer Aberglaube! Dennoch werde ich an dieser Stelle über Fort- und Rückschritte im auktorialen Prozess berichten!

Der rote Faden entwirrt sich allmählich…

… denn ich habe die Struktur für meinen Roman stehen! Bis Oktober soll das Exposé fertig gestellt sein (hard work…), dann geht es endlich los! Natürlich völlig anders, als ursprünglich geplant, aber so ist das mit dem Roten Faden im Leben 😉 Es werden verschiedene Zeitebenen verwoben, von 1986 bis 2051. Drei sehr unterschiedliche Frauen stehen mit ihren Zielen, Träumen und Konflikten im Zentrum der Geschichte. Und die amerikanische Malerin Georgia O’Keeffe lässt uns erspüren, dass künstlerisch sensible Menschen über Raum und Zeit miteinander verbunden bleiben!

Wie sieht das Leben im Jahr 2050 aus?

Vor dem Hintergrund dieser spannenden Frage entwickele ich aktuell ein Romanprojekt! Bin neugierig, wohin mich die Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Frauen und eines Hologramms führen wird … Auch hier stellt sich natürlich die Frage: Was bleibt? Drohnen werden ihre Bahnen vor dem Fenster ziehen, vielleicht gibt es Lufttaxis, Androide als Spielgefährten und Dienstleistende, ganz gewiss Bio-Chips unter der Haut, die ein gesundes Leben überwachen und steuern. Virtuelle Reisen ermöglichen gefahrlose Abenteuer und vielfältige Sensationen. Neue Erdenbürger werden zunehmend als Wunschpaket genetisch optimiert, und je nach finanziellen Möglichkeiten kann der Tod immer weiter verschoben werden. Und wie gestalten sich dann die sozialen Beziehungen? Freundschaften, Partnerschaft? Wie sieht die Natur aus, vor dem Hintergrund des Klimawandels und der demografischen Entwicklung? Was ist mit den gewaltsamen Konflikten in Nahost und anderswo, was mit den Religionen? Geht es in Richtung Vernunft und Humanismus oder droht weltweite Manipulation, Überwachung und weiteres Ungleichgewicht zwischen Reich und Arm? Und was mich besonders intersssiert: wird noch analoge Kunst gebraucht, ein Bild, ein Roman, ein Theaterstück oder eine Oper?

#2050, #Zukunft, #Romanprojekt, #Kunst der Zukunft

Neue Bilder zum Projekt „Was bleibt“!

Das Thema „Alltagspullover“ hat mich auf eine Idee gebracht: Im Halbschlaf träumte ich von chemischen Formeln, aber nicht so wie einst Kekulé, der „seine“ Formel träumte 😉 Nein, ganz schlicht! Wieder wach, nach einem Kaffee, suchte ich mir aus einem Stapel aussortierter alter Klamotten ein paar schöne Stoffe heraus. Zu schade zum achtlosen Wegwerfen! Dann begann die Suche nach der passenden chemischen Formel… In Verbindung mit dem zugehörigen Stoff wuchs ein neues Bild. Was das mit dem Thema „Was bleibt“ zu tun hat? Kleidung bedeutet den Ausdruck unserer Persönlichkeit, ein sehr privates Statement. An manche heiß geliebten und oft peinlichen Stücke erinnern wir uns noch Jahrzehnte, nachdem sie in der Altkleidersammlung gelandet sind! Ein zu langer Jeansrock, ein schlabberiger, mottenzerfressener Pullover, eine fürchterliche Schlaghose… oder auch die High Heels, die gerade einmal unter Schmerzen getragen wurden, um den damaligen Flirt „klar zu machen“ – Erinnerungen eines Lebens bleiben, auch wenn es die Hülle nicht mehr gibt. Und die Formeln? Bleiben sowieso. Sie strukturieren die Welt, in der wir unser kleines Leben leben.

We are such stuff as dreams are made on; and our little life is rounded with a sleep… (Shakespeare, Prologue The Tempest)

Ich bleibe dran!

Was bleibt?

Auf der Suche nach dem „roten Faden“ stellt sich auch die Frage: Was hat in dieser zunehmend flüchtigen Zeit noch Bestand, allgemein gesellschaftlich, aber auch persönlich? Dinge zum Festhalten, um nicht von der Twitter-Facebook-Fakenews Woge überspült zu werden? Erinnerungen, die verorten? Und die Kunst, zumal traditionelle Werke wie Gemälde und Fotografien, ist sie nicht längst überflüssig? Ich denke, ganz im Gegenteil! Neben Videoinstallationen und Performances hat auch die bemalte Leinwand weiterhin ihre Berechtigung. Über den reinen visuellen Reiz (auch nicht zu verachten) regt sie zu Reflexion, vielleicht auch zu Dialog oder Widerspruch an.

Ich werde mich in meinem neuen bilderischen Projekt dieser Frage widmen: was bleibt?  Beispiele aus der Werkstatt folgen!

Bei der Arbeit!

Anstrengend, eine Ausstellung vorzubereiten, aber wenn dann alles einigermaßen gerade und zueinander passend hängt, ein gutes Gefühl! Der rote Faden sind in diesem Fall Balkonfotos aus Köln-Kalk, hier ein paar Beispiele:

Die Wäscheklammern sind übrigens keine Notlösung mangels Haken, sondern greifen das häufige Motiv trocknender Wäsche auf.

Mehr Fotos in meiner Galerie!

Tja, und jetzt … erstmal ein Aquarell zur Entspannung, seit langer Zeit mal wieder – nach einem Foto aus dem entspannten Wien.

Den Faden aufnehmen

Nähern wir uns dem Thema doch, wie es sich gehört, kulturgeschichtlich!

Der in die Wiege gelegte Schicksalsfaden wurde schon in der Antike durch die Moiren und bei den Germanen durch die Nornen vermessen, gesponnen und gewebt. Und dann leider auch zu gegebener Zeit wieder durchtrennt. Dieser Mythos lebte noch bis ins Mittelalter, wo es als Unglück bringend galt, Kleidung am Körper auszubessern. Unser Leben hängt hier und da am seidenen Faden, vielleicht merken wie es gar nicht immer, wenn wir unachtsam die Straße passieren. Von Schlimmerem zu schweigen: als Studentin spazierte ich über einen Platz in Jerusalem, auf dem am nächsten Tag eine Bombe detonierte. Damals schon.

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