Inga Rienau

Was bleibt?

Auf der Suche nach dem „roten Faden“ stellt sich auch die Frage: Was hat in dieser zunehmend flüchtigen Zeit noch Bestand, allgemein gesellschaftlich, aber auch persönlich? Dinge zum Festhalten, um nicht von der Twitter-Facebook-Fakenews Woge überspült zu werden? Erinnerungen, die verorten? Und die Kunst, zumal traditionelle Werke wie Gemälde und Fotografien, ist sie nicht längst überflüssig? Ich denke, ganz im Gegenteil! Neben Videoinstallationen und Performances hat auch die bemalte Leinwand weiterhin ihre Berechtigung. Über den reinen visuellen Reiz (auch nicht zu verachten) regt sie zu Reflexion, vielleicht auch zu Dialog oder Widerspruch an.

Ich werde mich in meinem neuen bilderischen Projekt dieser Frage widmen: was bleibt?  Beispiele aus der Werkstatt folgen!

Bei der Arbeit!

Anstrengend, eine Ausstellung vorzubereiten, aber wenn dann alles einigermaßen gerade und zueinander passend hängt, ein gutes Gefühl! Der rote Faden sind in diesem Fall Balkonfotos aus Köln-Kalk, hier ein paar Beispiele:

Die Wäscheklammern sind übrigens keine Notlösung mangels Haken, sondern greifen das häufige Motiv trocknender Wäsche auf.

Mehr Fotos in meiner Galerie!

Tja, und jetzt … erstmal ein Aquarell zur Entspannung, seit langer Zeit mal wieder – nach einem Foto aus dem entspannten Wien.

Den Faden aufnehmen

Nähern wir uns dem Thema doch, wie es sich gehört, kulturgeschichtlich!

Der in die Wiege gelegte Schicksalsfaden wurde schon in der Antike durch die Moiren und bei den Germanen durch die Nornen vermessen, gesponnen und gewebt. Und dann leider auch zu gegebener Zeit wieder durchtrennt. Dieser Mythos lebte noch bis ins Mittelalter, wo es als Unglück bringend galt, Kleidung am Körper auszubessern. Unser Leben hängt hier und da am seidenen Faden, vielleicht merken wie es gar nicht immer, wenn wir unachtsam die Straße passieren. Von Schlimmerem zu schweigen: als Studentin spazierte ich über einen Platz in Jerusalem, auf dem am nächsten Tag eine Bombe detonierte. Damals schon.

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