Quo vadis?

Manche Menschen träumen davon, sich irgendwann in Paralleluniversen zu bewegen, abgehoben von der Lebenswirklichkeit mit ihren manchmal nervtötenden und langweiligen Aspekten.

Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Homo Sapiens in seiner unstillbaren Neugierde überflüssig macht? Roboter und Androiden müssen lediglich perfektioniert werden. Und auch der Mensch als wandelndes Ersatzteillager, als Cyborg auf dem Weg in die Unsterblichkeit, ist nicht mehr bloße Utopie.

Wird unsere Vergangenheit irgendwann gelöscht, lästiges Fehlprodukt unserer Festplatte? Was bleibt von unserer Kindheit? Gibt es dann noch überlieferte Geschichte – jedes Einzelnen, aber auch der Menschheit insgesamt?

Ein vielschichtiges Thema. Faszinierende Möglichkeiten und erschreckende Abgründe tun sich auf.

In meinem neuen Projekt will ich diesem „Quo vadis?“-Gedanken bildnerisch auf die Spur kommen, ausgehend von (m)einer Kindheit in der „guten alten“ Bundesrepublik. Fast vergessen – die Republik und auch die Kindheit, hier wieder zu Tage gefördert, mit Bruchstücken, vergilbten Fotos aus Familienalben, übermalt, digital bearbeitet. Wie sieht „Kindsein“ heute aus? Gibt es Konstanten? Ich denke, ja! Neugierde, Fantasie, Spontaneität, aber auch Kummer, Zorn und Angst … Das ganze Spektrum von Emotionen findet sich übergreifend, in allen Kulturen, zu allen Zeiten. Es begründet unser Menschsein.

Was davon wird bleiben?

Meine Bilder der nächsten Monate (oder Jahre 😊) werden auch um unsere Zukunft kreisen. Idealer Avatar in einer Parallelwelt … Schon bald wird er oder sie käuflich zu erwerben sein und die eigene programmierte Geschichte schreiben. Wer bestimmt dann unsere Sehnsüchte? Wo verläuft die Grenze zwischen Selbst und Projektion? Und wer macht bei alldem den großen Profit? Aber diese Frage übersteigt mein künstlerisches Tun.