Neue Bilder zum Projekt „Was bleibt“!

Das Thema „Alltagspullover“ hat mich auf eine Idee gebracht: Im Halbschlaf träumte ich von chemischen Formeln, aber nicht so wie einst Kekulé, der „seine“ Formel träumte 😉 Nein, ganz schlicht! Wieder wach, nach einem Kaffee, suchte ich mir aus einem Stapel aussortierter alter Klamotten ein paar schöne Stoffe heraus. Zu schade zum achtlosen Wegwerfen! Dann begann die Suche nach der passenden chemischen Formel… In Verbindung mit dem zugehörigen Stoff wuchs ein neues Bild. Was das mit dem Thema „Was bleibt“ zu tun hat? Kleidung bedeutet den Ausdruck unserer Persönlichkeit, ein sehr privates Statement. An manche heiß geliebten und oft peinlichen Stücke erinnern wir uns noch Jahrzehnte, nachdem sie in der Altkleidersammlung gelandet sind! Ein zu langer Jeansrock, ein schlabberiger, mottenzerfressener Pullover, eine fürchterliche Schlaghose… oder auch die High Heels, die gerade einmal unter Schmerzen getragen wurden, um den damaligen Flirt „klar zu machen“ – Erinnerungen eines Lebens bleiben, auch wenn es die Hülle nicht mehr gibt. Und die Formeln? Bleiben sowieso. Sie strukturieren die Welt, in der wir unser kleines Leben leben.

We are such stuff as dreams are made on; and our little life is rounded with a sleep… (Shakespeare, Prologue The Tempest)

Ich bleibe dran!

Was bleibt?

Auf der Suche nach dem „roten Faden“ stellt sich auch die Frage: Was hat in dieser zunehmend flüchtigen Zeit noch Bestand, allgemein gesellschaftlich, aber auch persönlich? Dinge zum Festhalten, um nicht von der Twitter-Facebook-Fakenews Woge überspült zu werden? Erinnerungen, die verorten? Und die Kunst, zumal traditionelle Werke wie Gemälde und Fotografien, ist sie nicht längst überflüssig? Ich denke, ganz im Gegenteil! Neben Videoinstallationen und Performances hat auch die bemalte Leinwand weiterhin ihre Berechtigung. Über den reinen visuellen Reiz (auch nicht zu verachten) regt sie zu Reflexion, vielleicht auch zu Dialog oder Widerspruch an.

Ich werde mich in meinem neuen bilderischen Projekt dieser Frage widmen: was bleibt?  Beispiele aus der Werkstatt folgen!

Bei der Arbeit!

Anstrengend, eine Ausstellung vorzubereiten, aber wenn dann alles einigermaßen gerade und zueinander passend hängt, ein gutes Gefühl! Der rote Faden sind in diesem Fall Balkonfotos aus Köln-Kalk, hier ein paar Beispiele:

Die Wäscheklammern sind übrigens keine Notlösung mangels Haken, sondern greifen das häufige Motiv trocknender Wäsche auf.

Mehr Fotos in meiner Galerie!

Tja, und jetzt … erstmal ein Aquarell zur Entspannung, seit langer Zeit mal wieder – nach einem Foto aus dem entspannten Wien.

Den Faden aufnehmen

Nähern wir uns dem Thema doch, wie es sich gehört, kulturgeschichtlich!

Der in die Wiege gelegte Schicksalsfaden wurde schon in der Antike durch die Moiren und bei den Germanen durch die Nornen vermessen, gesponnen und gewebt. Und dann leider auch zu gegebener Zeit wieder durchtrennt. Dieser Mythos lebte noch bis ins Mittelalter, wo es als Unglück bringend galt, Kleidung am Körper auszubessern. Unser Leben hängt hier und da am seidenen Faden, vielleicht merken wie es gar nicht immer, wenn wir unachtsam die Straße passieren. Von Schlimmerem zu schweigen: als Studentin spazierte ich über einen Platz in Jerusalem, auf dem am nächsten Tag eine Bombe detonierte. Damals schon.

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