Nelly, Else, Mascha und die anderen - ihre Verse farbverwandelt
Mein neues Projekt kreist um unsere begrenzte Zeit, um Vergänglichkeit, Unsicherheit, Vergehen und Neubeginn. Das eindrucksvolle Gedicht „Die gestundete Zeit“ von Ingeborg Bachmann sei stellvertretend für all „die anderen“ vorangestellt.
Es entstehen Acrylbilder zur Lyrik von Nelly Sachs, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Hilde Domin, Ingeborg Bachmann und Sarah Kirsch. Work in progress!
Und hier folgen auszugsweise die beiden Gedichte, die ich zu Ingeborg Bachmann gemalt habe.
Quelle:
Sämtliche Gedichte
© Piper Verlag GmbH, München 1978, 14. Aufl. Nov. 2023
ISBN 978-3-492-23985-1
Die gestundete Zeit
Ingeborg Bachmann
Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Bald mußt du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
…
Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen!
Es kommen härtere Tage.
„Die Anrufung des Großen Bären“ zu dem gleichnamigen Gedicht von Ingeborg Bachmann. Acryl auf LW, 1×1 m.
Das Sternbild im Bild links oben ist bekannt als „Großer Wagen“ oder eben auch „Großer Bär“, der noch ein paar mehr Sterne umfasst.
Den Polarbären bzw. Eisbären habe ich wegen der Nähe des Sternbilds zum Polarstern gewählt – aber auch wegen der Bedrohung seines arktischen Lebensraumes.
Anrufung des Großen Bären
Ingeborg Bachmann
Großer Bär, komm herab zottige Nacht,
Wolkenpelztier mit den alten Augen,
Sternenaugen,
durch das Dickicht brechen schimmernd
deine Pfoten mit den Krallen,
Sternenkrallen,
…
Fürchtet euch oder fürchtet euch nicht!
…
s‘ könnt sein, daß dieser Bär
sich losreißt, nicht mehr droht
und alle Zapfen jagt, die von den Tannen
gefallen sind, den großen, geflügelten,
die aus dem Paradiese stürzten.